
• Kommerzialisierung
• Konvergenz
• Segmentierung
• Boulevardisierung
• Storytelling
Kommerzialisierung
Ökonomische Interessen und Prozesse sind eine treibende Kraft für die aktuellen Veränderungen in der Medienlandschaft: Die Medienhäuser von heute streben wie andere Unternehmen nach Wachstum und Rendite – und wollen zugleich ihre Kosten minimieren. Aus diesem Grund straffen sie zunehmend Strukturen und Prozesse bei der Produktion und Redaktion ihrer Inhalte. Auch die technischen Revolutionen der Digitalisierung und des Internets führen zu völlig neuen Produktionsabläufen und Produkten. Die Grenzen zwischen den Mediengattungen lösen sich auf und Journalisten lernen, ihre Geschichten so aufzubereiten, dass sie in unterschiedlichsten Formaten funktionieren.
Inzwischen führen einige Verlagshäuser sogar medienübergreifende Newsdesks ein: Hier laufen alle Nachrichten an einer zentralen Stelle zusammen, an der die Reporter auch ihre Beiträge produzieren und ins Newssystem einstellen. Ein Editor plant die Inhalte und passt sie später an die verschiedenen Medienformate an. In diesem Zuge haben einzelne Zeitungsredaktionen bereits die klassischen Ressorts (Politik, Wirtschaft, Kultur etc.) aufgelöst und stattdessen Teams gebildet, die sich mit aktuellen Themen oder Geschichten und ihrem Verlauf befassen. Und ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Die Redaktionen von Print- und Online-Ausgabe einer Zeitung werden an einem Newsdesk zusammengeführt – das Ergebnis ist crossmediales Publishing.
Konvergenz
Das Publikum von heute begeistert sich immer mehr für Multimedia-Formate, die Texte mit Bildern, Audio und Video verbinden. Daher integrieren Medienmacher zunehmend verschiedene Mediengattungen – die digitale Revolution macht es möglich und das Internet bietet die geeignete Plattform dafür: Newsplex heißt die Vision, die immer mehr Realität wird. Ein Film vervollständigt inzwischen einen Zeitungstext im Internet und SMS-Nachrichten machen auf einen Hintergrundbericht im Radio aufmerksam. Die Medien ergänzen sich und Journalisten nutzen die Möglichkeit, eine Geschichte über verschiedene Kanäle hinweg sukzessive aufzubauen und fortzuspinnen.
Segmentierung
Eine weitere Entwicklung der Medien beruht darauf, dass die werbungtreibende Industrie immer spezifischere Plattformen für ihre Werbeansprachen benötigt. Um den Wünschen ihrer Werbekunden gerecht zu werden, entwickeln Medienhäuser daher mehr und mehr Angebote, die sich an ganz spezielle Teilöffentlichkeiten richten. Damit wird das Publikum zunehmend segmentiert und die Anzahl der Medienkanäle und -angebote vervielfacht sich.
Boulevardisierung
Im Zusammenspiel von Internet, TV und Tageszeitung entwickeln sich Themen und Hypes heute in immer schnellerer Folge. Eine gründliche Recherche ist den Journalisten daher selten möglich. Auch die faktengetreue Berichterstattung leidet unter dem enormen Zeitdruck und die Konkurrenz zu anderen Themen und Geschichten verschärft sich. Die Folge ist, dass die Nachrichtenfaktoren des Boulevards im Journalismus immer mehr an Bedeutung gewinnen: Fokussierung auf Personen der gesellschaftlichen Elite, Personalisierung, Negativismus und Überraschung.
Die Boulevardisierung führt auch zur Verschmelzung von Information und Unterhaltung. Beides sind zentrale Konstrukte der Medien- und Kommunikationswissenschaft und verdeutlichen den Gegensatz zwischen Wissenszuwachs und lustvollem Zeitvertreib. Doch dieser Gegensatz löst sich immer mehr auf. Zum einen verschmelzen Informations- und Unterhaltungsangebote zu sogenannten Infotainment-Formaten. Zum anderen unterhält sich das Publikum inzwischen mit Hilfe einer Informationssendung wie der Tagesschau (lustvoller Zeitvertreib) und informiert sich mit Hilfe einer Telenovela (z.B. Wissen über Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen).
Storytelling
Mediale Unterhaltung ist also zunehmend gefragt. Doch woran liegt das? Menschen haben immer mehr das Bedürfnis, bei der Mediennutzung emotionale Erfahrungen zu machen. Sie sehnen sich nach intensiven Erlebnissen wie Vergnügen, Angst, Spannung, Selbstvergessenheit und Intimität. Und diese können wir vor allem erleben, wenn wir den Geschichten unterhaltender Medienformate folgen. Medienmacher nutzen das Storytelling mittlerweile auch im Rahmen informativer Formate und bereiten Berichte so auf, dass sie einem Spannungsbogen, einer Dramaturgie folgen. Sogar Nachrichten werden als Storys inszeniert, die es den Menschen gestatten, an etwas Großem teilzunehmen, es persönlich zu erleben.